Keynote

zum Schwäbischen Lehrerinnen- und Lehrertag 2020

Individualisieren + Fördern = Integrieren
Wie geht die Gleichung auf?

Keynote auf dem Schwäbischen Lehrertag 2020 am 17.10.2020

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Ich freue mich, dass ich mit Ihnen ein paar Gedanken zu den Themen des Schwäbischen Lehrertags 2020 austauschen darf.

Insbesondere freue ich mich über die rege Beteiligung an diesem ungewöhnlichen und neuen Format; und in diesen für alle Schulen und Lehrkräfte sehr schwierigen Zeiten.

Für unser Thema ist es in jedem Fall günstig, dass ich heute zu Ihnen nicht nur als einzelne Lehrkräfte spreche, sondern auch als Mitglieder eines Verbandes. Denn pädagogische Innovation lässt sich zwar im Unterricht und durch das Engagement und die Initiative einzelner Lehrkräfte umsetzen. Doch gute Schule benötigt auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Diese sind nicht immer gegeben und auch durch die einzelne Lehrkraft nicht nachhaltig herzustellen. Für die Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen bedarf es der politischen Verbands- und Lobbyarbeit, bedarf es einem Verband wie dem BLLV.

An dieser Stelle noch einen Hinweis vorab: Da die überwiegende Mehrzahl der Anwesenden weiblich ist, werde ich im Folgenden der Einfachheit halber die weibliche Form verwenden. Dabei möchten sich – wie im umgekehrten Fall sonst auch – alle Anwesenden angesprochen fühlen.

 

Das Motto des diesjährigen Lehrertags lautet
Individualisieren (plus) Fördern (ist gleich) Integrieren.

Betrachten wir diese Gleichung einmal genauer.

 

Individualisieren

Was bedeutet Individualisieren? Dieser Begriff ist nirgends wissenschaftlich oder pädagogisch eindeutig bestimmt. Er lässt viel Platz für Projektionen, für Ansprüche, Methoden, guten Willen und schulische Entwicklungskonzepte.

Selbstverständlich bedeutet Individualisieren nicht, dass jede Schülerin mit ihrem eigenen Unterrichtsmaterial, mit eigenen Aufgaben und eigenen Bewertungsmaßstäben unterrichtet wird. Individualisierter Unterricht muss nicht für jede Stunde und jede Schülerin einzeln vorbereitet werden.

Das wäre nicht nur eine Überforderung für Sie als Lehrkraft, sondern pädagogisch auch weitgehend unsinnig. Denn wir brauchen die Klasse als pädagogische Ressource, als pädagogisches Instrument, wir brauchen den Austausch, das Unterrichtsgespräch und in Teilen auch den Wettbewerb und die Vergleichbarkeit.

Wie geht dann Individualisieren?

Individualisieren bedeutet eigentlich nichts anderes als guten Unterricht zu machen, jede Schülerin zu kennen, ihre Stärken, ihre Interessen und vielleicht auch ihre Blockaden. Es geht darum, den Unterricht so zu gestalten, dass alle Schülerinnen mitgenommen werden, dass keine auf der Strecke bleibt und niemand innerlich oder äußerlich kündigt. Es geht darum, dass die Schülerinnen auch untereinander drauf achten, dass alle mitkommen und dabeibleiben.

Ein wichtiger Schritt dahin ist es, meinen eigenen Unterrichtsanteil, meinen Redeanteil zu reduzieren, zugunsten der Aktivität der Schülerinnen und der Gruppe. Es bedeutet, alle Schülerinnen immer wieder zu ermuntern sich einzubringen, ihre ursprüngliche Neugier aufrechtzuerhalten und Energiequellen fürs Lernen aufzutun. Es geht darum, eine Auswahl von Lernangeboten für unterschiedliche Interessen auf unterschiedlichen Sinneskanälen bereitzustellen.

Sehr gute und erprobte Methoden hierfür sind das Kooperative Lernen und auch das Lernen mit einer Strukturierung durch die Kompetenzraster-Methode. Beide Methoden schaffen mehr Spielraum für die individuelle Entwicklung, ermöglichen unterschiedliche Lernfortschritte und Lerntempi im Klassenverband, ohne auf die Integrationskraft der Gruppe zu verzichten. Und es ist nicht nötig, für jede Schülerin eigene Arbeitsblätter zu erstellen.

Der Unterricht findet in einem kontinuierlichen Wechsel von Lehrvortrag und Anleitung, aber vor allem in Form von wechselnder Einzelarbeit, Gruppenarbeit und Arbeit im Klassenverband statt. Der Anteil des Unterrichtsvortrags wird dabei erheblich verkürzt zugunsten der Schüleraktivität, die beratend durch die Lehrerin begleitet wird.

Die Lehrtätigkeit verlagert sich in beiden Fällen stärker in die Vorbereitung und Strukturierung des Unterrichts und reduziert den eigenen Aufwand während des Unterrichts erheblich. Es stärkt die Orientierung, die Aktivität und die Selbststeuerung der Schülerinnen, schafft Erfolgserlebnisse und fördert das selbstständige Lernen.

 

Fördern

Der Traum jeder Pädagogin sind motivierte Kinder und Jugendliche. Motivation ist der Schlüssel zum Erfolg, zur Verfolgung von Zielen und zu nachhaltigem Lernverhalten. Über Motivation wissen wir vor allem, dass es sehr leicht ist, andere zu demotivieren. Und das passiert häufig leider auch in Schule.

Es ist dagegen kaum möglich, jemanden nachhaltig zu motivieren. Motivation entsteht von innen, aus eigenem Antrieb heraus. Wir können daher nur Bedingungen schaffen und Anregungen geben, in denen Motivation gut entstehen kann. Ein guter Realitäts- und Lebensweltbezug und Ansätze zur Individualisierung können dabei sehr hilfreich sein.

Um Lernmotivation zu fördern ist es notwendig, Erfolgserlebnisse zu schaffen, Erfolgserlebnisse zu organisieren. Dies passiert in der Schule oft zu wenig. Immer wenn eine Etappe erreicht und noch gar nicht richtig als Erfolg wahrgenommen ist, bekommen die Kinder das nächste Problem und die nächsten Aufgaben vorgesetzt.

Lernen heißt, mich mit etwas zu befassen und etwas zu beginnen, was ich zunächst gar nicht kann – und dessen Zweck und Ziel ich im ungünstigen Fall nicht einsehen kann. Umso wichtiger ist es, den Schülerinnen Erfolge zu organisieren und diese zu würdigen. Vielleicht auch ein bisschen innezuhalten. Nicht von Ziel zu Ziel zu hetzen, denn oft ist es besser, etwas gründlich zu machen, Fragen auf den Grund zu gehen und dabei weitergehende Fragestellungen zu entdecken, als sich vieles oberflächlich und im Kurzzeitgedächtnis anzueignen.

Viel zu häufig sind pädagogische Rückmeldungen dadurch charakterisiert, dass man den Schülerinnen sagt, „Du hast das und das gut gemacht, ABER: … ! und dann setzt Kritik ein.

Schülerinnen erkennen das zumeist schon im Voraus und damit ist die Anerkennung entwertet. Viel sinnvoller wäre es, solche Aussagen genau umzukehren und den Schülerinnen zu sagen hier und da kannst du noch nachbessern. Wie kann ich dir dabei helfen? Welche Unterstützung brauchst du dafür? … dann zu sagen: „Das und das hast du aber schon sehr gut gemacht.; die Anerkennung also am Ende auszusprechen.

Als Lehrerinnen und als Eltern denken wir manchmal, dass die Schülerinnen sich überschätzen, sich nicht mehr anstrengen oder die Arbeit einstellen, wenn wir sie loben. Das ist falsch. Echte Anerkennung ist – bei Kindern wie Erwachsenen – die beste Quelle für Motivation. Dies gilt für förderbedürftige wie für leistungsstarke Kinder gleichermaßen. Ich selbst habe es schon erlebt, dass gute Schülerinnen eine bessere Rückmeldung eingefordert haben. Ihre Leistungen werden oft übersehen und erhalten weniger Wertschätzung und Anerkennung, da sie die Leistungen ja scheinbar mühelos erbringen und daher wenig zu kommentieren bleibt.

Das Ziel der Förderung ist wie beim Individualisieren die Aktivierung. Der Unterschied zwischen dem „normalen“ Unterrichten und der Förderung ist jedoch, dass die Förderung zusätzlicher Hilfen bedarf und vielleicht auch Blockaden und Hindernisse beseitigt werden müssen, die nicht immer offensichtlich sind. Sonst geraten Schülerinnen ins Abseits, die unter anderen Bedingungen gute Entwicklungschancen hätten. Daher braucht es ergänzender Expertise und es bedarf eines guten Zugangs zu den Kindern und Jugendlichen, vielleicht sogar zu deren Familien und den Communities. Dies kann die Lehrerin allein nicht leisten. Daher ist es erforderlich, externe Fachleute, besonders qualifizierte Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen, Psychologinnen, das Jugendamt, Kulturvermittlerinnen einbeziehen zu können.

Diese Expertise sollte allen Schulen bedarfsgerecht und auf kurzem Weg zur Verfügung stehen und im Kern an der Schule angesiedelt sein, wie z.B. die JaS-lerinnen. Es geht um einen ganzheitlichen Blick auf die Kinder und Jugendlichen, den die Lehrerin oft nur bedingt leisten kann. Doch für den Austausch mit den multiprofessionellen Fachleuten muss Zeit zur Verfügung stehen und die Klassen müssen überschaubar sein. Dies ist der Schlüssel für Integration und Inklusion. Überschaubare Klassenstärken, die entsprechende zeitliche Ressource und die Einbeziehung einer erweiterten Expertise nach Bedarf.

Neben dem Förderunterricht sind Kompetenzfeststellungen, Profilanalysen und Förderpläne die klassischen Förderinstrumente. Der Kern solcher Verfahren ist es, sich intensiver mit der einzelnen Schülerin zu befassen, nicht vorrangig mit dem Blick auf die schulische Leistungsfähigkeit, sondern mit einem ganzheitlichen Blick auf Ziele, Interessen, Begabungen, eigene Wünsche und Hemmnisse. Zugleich erhält jede Schülerin eine individuelle, unvoreingenommene und eigene Aufmerksamkeit. Dies führt zu einer Förderung, die den klassischen schulischen und oft leistungsbezogenen Blick erweitert.

Dennoch machen Kompetenzfeststellungen, Profilanalysen und Förderpläne nur dann Sinn, wenn mit den Ergebnissen auch tatsächlich gearbeitet wird bzw. gearbeitet werden kann. Die Schülerin muss lernen für sich Verantwortung zu übernehmen. Aber Schulen sind andererseits in der Verantwortung, Förderansätze, Fördermöglichkeiten und Fachleute anbieten zu können, die dem festgestellten Förderbedarf entsprechen und die Schülerin nachhaltig und verlässlich unterstützen können. Sonst bleiben Förderinstrumente folgenlos, ein hohles Versprechen und ein Muster ohne Wert.

Ein häufiges Vorurteil ist es, dass Integration, Inklusion und die Förderung von förderbedürftigen Schülerinnen die Entwicklung und Leistungsfähigkeit von leistungsstarken Schülerinnen behindern würde. Zahlreiche Studien zeigen, dass dies in gut aufgestellten Fördersettings nicht der Fall ist. Die Leistungsfähigkeit nimmt nachweislich nicht ab und leistungsstarke Schülerinnen erweitern unter günstigen Bedingungen sogar ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen.

Beide können also im richtigen Setting profitieren. Ein sehr starkes pädagogisches Instrument ist das dabei das „learning by teaching“. Man kann sehr viel lernen, indem man andere beim Lernen unterstützt oder darin anleitet. Sie selbst kennen das.

Solche Möglichkeiten sollten auch Schülerinnen eingeräumt werden. Eine sehr schöne Methode ist es z.B., Schülerinnen durch Material und Beratung anzuleiten, Expertinnen auf einem Teilgebiet zu werden. In einer zweiten Phase können alle Schülerinnen aus den Mitschülerinnen angebotenen Teilgebieten wählen und sich dabei von diesen als Expertinnen unterstützen und ggf. sogar bewerten zu lassen. In einer solchen Unterrichtsphase sind alle Schülerinnen sowohl Lernende als auch Lehrende. Sie lernen die Lehrerinnenrolle selbst kennen und sind zumeist sehr fair, wenn es um die Bewertung der Leitungen der Mitschülerinnen geht.

 

Individualisieren plus Fördern ist gleich Integrieren?

In der Mathematik ist unter normalen Bedingungen 1 + 1 = 2. In der Pädagogik gilt dies leider nicht oder nicht immer. Und zum Glück lässt sich der pädagogische Erfolg mathematisch nicht berechnen und kaum vorhersagen. Zum Glück, denn sonst wären wir vollständig berechen- und manipulierbar.

Es kann sein, dass man eine Methode und Unterrichtsmaterial entwickelt hat, das in einem Jahr und mit einer Klasse hervorragend funktioniert und Ihnen als Lehrerin richtig Freude macht. Sie glauben, Sie hätten die Zauberformel der Pädagogik gefunden. Sie setzen dieselbe Methode in der nächsten Klasse ein und kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Dynamik in der Klasse funktioniert nicht, die Methode kommt nicht an, er Erfolg stellt sich nicht ein, die Klasse läuft nicht rund.

Der pädagogische Erfolg ist machbar, aber nicht einfach planbar und berechenbar. Pädagogik ist eine besondere Wissenschaft, die neben der Fachlichkeit von der Reflexion des eigenen Handelns und ihrer Wirkung, von Kreativität und dem Interesse am Lernen und an den Lernenden lebt. Die persönliche Beziehung ist die Basis für gutes Lernen. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass eine Lehrkraft unser Interesse für ein Fach wecken kann, und eine andere Lehrkraft uns das Interesse für ein Fach auch für lange Zeit verleiten kann. Gute Pädagogik lebt vom Engagement und vom Zuhören. Sie lebt von einer pädagogischen Professionalität, die vor allem darin besteht, die eigenen Handlungen zu reflektieren, selbst immer wieder dazu zu lernen, Neues zu probieren und vor allen Dingen davon, allen Schülerinnen unvoreingenommen zu begegnen. Professionalität in der Pädagogik bedeutet, Kinder und Jugendliche grundsätzlich anzunehmen, und zwar unabhängig von ihrer Verschiedenheit und von vielleicht anderen Haltungen, Vorlieben, Zielen und Verhaltensweisen als die, die wir kennen und die wir für richtig halten. Professionalität in der Pädagogik ist eine sehr hohe Anforderung an die eigene Person und Persönlichkeit und bedeutet auch, Kränkungen nicht persönlich zu nehmen, nicht zynisch zu werden und Kindern und Jugendlichen so weit wie möglich immer wieder unvoreingenommen zu begegnen.

 

Integrieren

Ist also Individualisieren plus Fördern gleich Integrieren?

Im Unterschied zur Inklusion bedeutet Integration, dass eine Person, die ursprünglich nicht Teil der Gruppe war, gut aufgenommen wird und sich so einfügen kann, dass die Gruppe als auch die zu integrierende Person sich wohlfühlen und respektvoll miteinander umgehen.

Es braucht also mehr als Individualisierung und Förderung. Es braucht die Gruppe.

Integration setzt nicht immer, aber häufig eine besondere Förderung voraus. Sei es im Kontext von Sprache, kultureller Unterschiede, Beeinträchtigungen oder von Werten und Normen. Integration erfordert zumeist eine hohe Leistung und Anpassungsfähigkeit der zu integrierenden Person und die Erfahrung realistischer Perspektiven. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten auf einem Bauernhof in Ostfriesland klarkommen. Sie würden sich Mühe geben, aber es wird Ihnen nur gelingen, wenn Sie freundlich aufgenommen, sprachlich unterstützt würden und Freundschaften schließen könnten. Wenn sich also die Gruppe öffnet, neugierig auf Sie ist und sich damit auch selbst verändert.

Denken wir nur an die Arbeitsmigranten der ersten Generation, die sich überwiegend gut eingelebt haben. Sie haben sich angepasst, aber auch wir haben uns verändert. Sie haben nicht nur die Gastronomielandschaft, sondern auch unseren kulturellen Horizont erweitert.

In einer globalisierten Gesellschaft haben wir keine andere Chance als Integration aktiv zu leben und positiv zu gestalten. Wir können stolz darauf sein, wenn Menschen aus anderen Ländern gerne zu uns kommen. Wir brauchen allerdings auch die Bedingungen, um Integration positiv zu gestalten zu können, wir brauchen auch hier multiprofessionelle Teams und wir brauchen Zeit. Der Zeitfaktor wird häufig unterschätzt. Wir verlangen oft sehr viel oder gar zu viel von den Jugendlichen, die neu zu uns kommen. Und bei allen Förderangeboten muss Integration frühzeitig beginnen. Wir müssen trotz zeitweiser getrennter Unterrichtung frühzeitig so viele integrative Angebote schaffen, wie möglich. Dies kann beim Sport, in den musischen Fächern und in gemeinsamer Projektarbeit beginnen. Kinder und Jugendliche lernen in guter Atmosphäre ohnehin voneinander oft am besten. Dabei ist es besonders hilfreich, wenn wir diejenigen, die bereits erfolgreich integriert oder auf dem Weg dahin sind, in diese Arbeit einzubeziehen: Jugendliche wie Erwachsene, Brückenbauer.

Nun kommt allerdings noch hinzu, dass ein Teil dieser Anforderungen, Ansprüche und guten Konzepte für Individualisierung, Förderung und Integration im Grunde und in Anbetracht der gewachsenen Schulstrukturen systemfremd sind.

Unser Schulsystem, unsere Gesellschaft, unsere Berufs- und Arbeitswelt ist hochgradig selektiv, leistungsorientiert und konkurrenzbestimmt. Man könnte sagen, die Voraussetzungen für individuelle Förderung und Integration sind ungünstig in Anbetracht der gesellschaftlichen Verfassung.

Ist es daher lebensfremd, mit viel Aufwand zu individualisieren, zu fördern und zu integrieren?

Man könnte sagen, es mache keinen Sinn, Schule von innen heraus ganz anders auszurichten.

Man könnte sagen, wir müssen unsere Schülerinnen auf diese Lebenswelt vorbereiten und keine künstlichen Schutzräume schaffen.

Doch wir können auch sagen, die Schule kann ein guter Wegbereiter für eine soziale Gesellschaft sein, in der Menschen sich mit Respekt begegnen, in der alle ihren Platz finden, in der vielfältige Begabungen gebraucht und gefördert werden.

 

Wie also geht die Gleichung auf?

  1. Schulentwicklung beginnt bei den Lehrkräften. Sie brauchen Raum, brauchen Fortbildungsangebote und brauchen gute Bedingungen, um gute Arbeit leisten zu können. Das Kerngeschäft ist der Unterricht und die Arbeit mit jeder einzelnen Schülerin. Das bedeutet auch, Lehrkräfte müssen von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Dafür ist ihre Qualifikation zu schade. Sie brauchen Freiräume, um fördern, mit Heterogenität gut umgehen und integrieren zu können.
  2. Lehrerinnen müssen im Team arbeiten und andere Professionen und Lernorte einbeziehen können. Das braucht ebenfalls Raum und Zeit innerhalb und außerhalb von Schule.
  3. Um gute Bedingungen zu schaffen bedarf es einer politischen Vertretung mit einem entsprechenden Auftrag wie dem BLLV; und es braucht aktive Mitglieder.
  4. Die Berufsgruppe der Lehrkräfte gehört zu den Berufsgruppen mit einem sehr hohen Anteil an informellem und selbstorganisiertem Lernen. Es muss für alle und insbesondere für Schülerinnen sichtbar werden, dass Lehrkräfte auch Lernende sind, dass sie Neues ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen. Darin sollten sie Vorbild für ihre Schülerinnen sein, denn gute Vorbilder sind eine sehr wirksame pädagogische Kraft. Sich selbst nicht als Wissende, sondern auch als Lernende zu begreifen, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Vor allem dadurch werden sie Anerkennung und Respekt von Seiten der Schülerinnen und der Eltern erhalten.
  5. Schließlich müssen im Kontext von Individualisieren, Fördern und Integrieren Fragen von Bildung, Erziehung und Werteorientierung thematisiert werden. Die Ausbildung und Berufsausbildung von Lehrkräften orientiert sich vorwiegend an der Unterrichtssituation. Unterrichten ist nur ein Aspekt von Bildung. In der Schule von heute kommt der Wertevermittlung und Erziehung eine immer größere Bedeutung zu. Ausbildung und Fortbildung sollten sich verstärkt mit diesen Themen befassen und diese nicht allein den sozialpädagogischen Fachkräften überlassen.

Tilman Zschiesche
ibbw-consult gGmbH
Institut für berufsbezogene Beratung und Weiterbildung
www.ibbw-consult.de

Tilman Zschiesche
Keynote SLT2020

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